Apps von Detlev Voss

Warum ich PhotoView entwickelt habe

Eine violette Glockenblume scharf vor einer sommerlichen Wiese, dahinter weitere Glockenblumen unscharf, im Vollbild in PhotoView mit dem Metadaten-Overlay unten rechts: Kameramodell Nikon D750, Blende 10, Belichtungszeit 1/200, ISO 200 und 200 mm Brennweite

Mein Weg zur App

Meine erste „ernsthafte“ Kamera, d.h. eine Spiegelreflexkamera, war noch eine analoge Filmkamera, die ich mir Ende der 80er Jahre gekauft habe. Mein erster digitaler Fotoapparat war eine Olympus C-200Z im Jahr 2002. Obwohl die Qualität der Fotos meiner analogen Spiegelreflexkamera besser war als die der digitalen Kamera, war ich sofort ein Fan der digitalen Fotografie. Die Bilder kamen von der Kamera auf den Computer, waren dort immer griffbereit, und die Suche nach einem bestimmten Bild bedeutete nicht mehr, analoge Fotoalben durchzublättern. Ein paar Suchbegriffe eingeben, und (konsistente Nutzung von Stichworten vorausgesetzt) schon hatte ich das Gesuchte zur Hand.

Im Jahr 2006 nahm ich am Beta-Test von Adobe Lightroom teil und bin seitdem bei Lightroom geblieben. Mir ist bewusst, dass es inzwischen einige Alternativen gibt, aber meine Anforderungen als Hobbyfotograf an einen (RAW-) Fotoeditor erfüllt Lightroom (in der „Classic“-Version) problemlos. Was sich seit ein paar Jahren geändert hat: Ich habe meine Fotos nicht mehr nur in Lightroom, ich habe meine Sammlung auch komplett in der Fotomediathek auf meinem iPhone, iPad und MacBook abgelegt. Damit habe ich, egal wann oder wo ich gerade bin, meine Bilder immer verfügbar, wenn ich eines meiner Geräte dabei habe, was beim iPhone fast immer der Fall ist.

Durch die Qualitätsentwicklung der Fotografie auf dem iPhone und die Möglichkeit, auch hier Fotos im RAW Format aufzunehmen, ist meine Immer-Dabei-Kamera das iPhone geworden. Meine Spiegelreflexkamera, seit mehreren Jahren eine Nikon D750, befindet sich samt mehreren Objektiven im Fotorucksack und kommt mit, wenn ich eine Chance für besondere Fotos sehe. Das kann eine Tour in die Berge oder an die See sein, ein Besuch im Tierpark oder in einer Gartenausstellung. Aber mehrere Kilogramm an Ausrüstung nehme ich bei Weitem nicht mehr so oft mit wie noch vor fünf Jahren.

Das war eine ziemlich lange Vorrede, jetzt aber zu der Frage, die über diesem Post steht: Warum habe ich PhotoView entwickelt? Die Antwort darauf ist ziemlich einfach. Wenn ich mir ein Foto ansehe, möchte ich oft nachsehen, wie oder wo ich es aufgenommen habe. In Lightroom sind diese Daten alle verfügbar, wenn ich aber gerade in der Fotomediathek auf meinem iPhone oder iPad bin, sieht das anders aus. Die Informationen, die hier zur Verfügung stehen, enthalten entweder nicht alle Daten, die mich interessieren, oder wenn doch, liegt der Fokus auf den Daten und das Bild tritt in den Hintergrund. Ich wollte eine App haben, die mein Foto im Vollbild zeigt und in einer Ecke die Metadaten auflisten kann, die für mich jetzt gerade wichtig sind. Außerdem möchte ich das Overlay von einer Ecke in eine andere verschieben können, damit keine relevanten Bildteile verschwinden. Das war und ist die Grundidee von PhotoView.

Mit dem Gedanken an die Entwicklung einer eigenen App habe ich schon lange gespielt, konkret wurde es im Juni 2025 (von da stammt das erste Commit zur App im Git-Repository). Da ich von der Idee über Design und Entwicklung bis zum Test alles allein realisiere, hat es selbst nur mit der Grundfunktionalität bis zur öffentlichen Beta ein gutes Jahr gedauert. Seit Mitte Juli ist die App zum Testen für jeden verfügbar und steht aktuell kurz vor der Veröffentlichung im App Store.

Im Folgenden möchte ich auf ein paar Aspekte genauer eingehen.

Die Grundidee

Wie oben erwähnt, ist die Grundidee eine ganz einfache. Wenn ich mir ein Foto ansehe, kann ich mit einem Fingertipp die Daten dazu einblenden, mit einem zweiten hat das Foto die Bühne wieder für sich allein. Das Foto bleibt dabei in der Vollbildansicht. Es gibt nichts, was von der Seite her das Foto beiseite schiebt oder verkleinert. Die Daten im Overlay aktualisieren sich mit dem Foto: Wenn ich zum nächsten oder vorherigen Foto gehe, werden die Informationen zu diesem Foto (oder Video) angezeigt.

Auf dem Mac funktioniert es genauso, nur dass ich die Daten dort mit einem Klick oder ⌘I aufrufe. Außerdem kann ich auf dem Mac wählen, ob die Daten in einem Overlay über dem Foto angezeigt werden oder in einem separaten Fenster. Dazu gibt es ein paar mehr Details im Beitrag Ein Fingertipp, und du siehst, wie das Foto entstanden ist.

Welche Daten: ein langer Weg

Am Anfang wollte ich die Metadaten in der App anzeigen, die mich am meisten interessierten (Schlüsselwörter, Ortsdaten, Titel und weitere Felder mit manuell erstellten Beschreibungen) sowie die Standardaufnahmedaten, d.h. vor allem die EXIF Daten. Nach und nach habe ich dann aber (fast) alles dazugefügt, was an Informationen von Apple in der Fotomediathek verfügbar gemacht wird. Es gibt zwei Ausnahmen. Zum einen Daten, die zwar vorhanden sind, für die es aber keine Dokumentation zur Bedeutung gibt. Deshalb kann PhotoView die „Maker notes“ nur von Apple, Canon und Nikon auswerten. Zum anderen sind es Daten, die für den menschlichen Nutzer in der App keine sinnvolle Information ergeben, wie z.B. Farbanpassungs- und Kamerakalibrierungsmatrizen.

Sehr spät erst habe ich herausgefunden, dass in der Fotomediathek auf dem iPhone und iPad eingebettete XMP Pakete über die Apple APIs verfügbar sind, wenn der Fotoeditor diese in die Bilddatei geschrieben hat. Anfangs bin ich davon ausgegangen, dass XMP Daten nur auf dem Mac lesbar sind. Mehr dazu findest du im Beitrag Sidecar und RAW: die .xmp Datei neben deiner RAW Datei.

Aktuell kennt PhotoView über 200 Datenfelder, die von der App in 18 Gruppen einsortiert werden (Beschreibung, Datum & Uhrzeit, Ort, Kamera, Objektiv, Belichtung, Bild, Datei, Video, IPTC, DNG, XMP, IPTC-Erweiterung, Finder, Apple, Canon, Nikon, Apple-Funktionen).

Wenn alle angezeigt werden, müssten wir eventuell lange suchen, bevor wir die vielleicht 3 Felder finden, die uns gerade interessieren. Deshalb zeigt das Overlay erstens nur Felder an, die auch Daten enthalten, und zweitens kannst du wählen, welche Felder dich interessieren und nur diese erscheinen dann auch. Für das Overlay sind drei Größen und die Ecke wählbar, in der es erscheint.

Daten zu den Fotos werden nur gelesen, nicht geändert

PhotoView liest die Metadaten der Fotos, um sie anzeigen zu können. Die Daten werden weder geändert noch irgendwohin hochgeladen. Neben den Daten, die in der Bild- oder Videodatei bereits enthalten sind, wie EXIF, IPTC, TIFF, GPS Informationen, liest die App auch die Daten, die Apples PhotoKit zusätzlich bereitstellt sowie auf dem Mac eventuell vorhandene XMP Sidecars und die Daten aus dem Finder zu den Mediendateien.

Es gibt keine Accounts für die App, du musst dich nirgends registrieren oder anmelden und es gibt auch keine im Hintergrund laufenden Server (außer den von Apple betriebenen Servern für die iCloud, in der du deine Fotos eventuell abgelegt hast). Es erfolgt kein Tracking, keine Nutzungsanalyse und es gibt auch keine Werbung. Das Einzige, was dein Gerät verlässt, sind deine Einstellungen, die in deiner privaten iCloud gespeichert werden, aber nur, wenn „Einstellungen synchronisieren“ unter Einstellungen ▸ Allgemein ▸ iCloud eingeschaltet ist.

Da ich selbst Apps bevorzuge, die keine Werbung zeigen und mich nicht zwingen, erst einen Account beim Anbieter anzulegen, habe ich die Entscheidung gegen Werbung, Tracking oder die Einbindung von Servern bewusst gleich am Anfang getroffen.

Der Mac von Anfang an dabei

Die App ist von Anfang an auf iPhone, iPad und Mac verfügbar. Die Pro-Funktionen gibt es als Einmalkauf, d.h. du bezahlst nur einmal und hast dann alles auf allen deinen Geräten verfügbar.

Auf dem Mac kannst du wie auf dem iPhone und iPad die Bilder aus deiner Fotomediathek öffnen, hier gibt es aber auch die Möglichkeit, Bilddateien direkt aus dem Dateisystem zu lesen. Das ermöglicht sowohl die Anzeige der Daten in der Gruppe Finder (Finder-Tags, Finder-Kommentar, usw.) als auch das Einlesen von XMP Sidecars. Das heißt, wenn dein Fotoeditor Daten in einer XMP Datei abgelegt hat, stehen diese auf dem Mac in PhotoView für dich zur Verfügung, z.B. Schlüsselwörter samt Stichwortbaum, Bewertungen und Farbmarkierungen.

Mehr zu XMP und XMP Sidecars findest du hier: PhotoView liest die XMP-Daten deines Fotoeditors und Sidecar und RAW: die .xmp Datei neben deiner RAW Datei.

AirPlay: Fotos mit Familie und Freunden gemeinsam ansehen

Wenn du die Anzeige deines iPhones oder iPads über AirPlay auf deinen Fernseher spiegelst, kannst du dir deine Bilder im Großformat ansehen. Auf dem Fernseher erscheint dabei nur das Foto, ohne Symbolleiste, ohne Bedienelemente und ohne Metadaten, die Steuerung behältst du auf deinem Gerät. Das ist ideal für Fotos, die auf einem kleinen Display noch nicht richtig zur Geltung kommen, vor allem aber, um sie dir mit Familie und Freunden gemeinsam anzusehen, ohne dein iPhone von Hand zu Hand wandern zu lassen. Genau dafür hat PhotoView auch eine Diashow mit konfigurierbaren Übergängen an Bord, damit du nicht selbst durch die Bilder wischen musst.

AirPlay und Diashow waren zwar nicht die allerersten Gründe, meine eigene App zu entwickeln, aber die Spiegelung auf den Fernseher ist für mich eine der wichtigsten Funktionen.

Noch eine Bemerkung zum Mac: Die Spiegelung über AirPlay gibt es in PhotoView auf iPhone und iPad. Auf dem Mac öffnet die Diashow ein eigenes Fenster, das du auf einen zweiten Bildschirm schieben kannst.

(Falls du dir AirPlay auch auf dem Mac wünschst, schreib mir bitte kurz über die Kontaktseite)

Was ich weggelassen habe

PhotoView war für mich von Anfang an eine App zum Anzeigen von Fotos und deren Daten. Deshalb gibt es keine Editierfunktionen, die App ändert weder deine Fotos noch deren Metadaten.

Live Photos in Langzeitbelichtungen umzuwandeln, habe ich ebenfalls nicht umgesetzt, da es ein eigenes Zusammenrechnen der Einzelbilder erfordert.

Die Fotos liegen in der Fotomediathek auf deinem Gerät oder in der iCloud. PhotoView dient dazu, sie anzuzeigen, und nicht dazu, einen weiteren Aufbewahrungsort zu schaffen. Aus diesem Grund gibt es auch kein „Zuletzt gelöscht“. Wenn du gelöschte Bilder wiederherstellen möchtest, geht dies über die App Fotos.

Die oben genannten Punkte habe ich aus Prinzip weggelassen, es gibt aber eine ganze Reihe an Funktionen, die ich aus Aufwandsgründen erst in späteren Versionen umsetzen will. Zwei Beispiele: eine einstellbare, selbst definierte Größe des Overlays, um vom starren Raster aus „Klein“, „Mittel“ und „Groß“ wegzukommen, und das Anlegen von Metadaten-Presets, um schnell zwischen der Anzeige unterschiedlicher Sätze von Metadaten wechseln zu können.

Der aktuelle Stand

Seit dem 14.07.2026 läuft die öffentliche Beta auf iPhone, iPad und Mac. Die Rückmeldungen sind eingearbeitet und ich bereite gerade die Veröffentlichung im App Store vor.

PhotoView selbst wird kostenlos verfügbar sein. Für die Nutzung der Pro-Funktionen wird es einen 7-tägigen Test geben, in dem du dir alles ansehen kannst, bevor du dich für einen Kauf entscheidest. Der Pro-Test wird nichts kosten und es wird an seinem Ende auch keine automatische Abbuchung irgendeiner Art geben. Ist er abgelaufen, werden einfach alle Pro-Funktionen wieder gesperrt und du nutzt danach weiter die kostenlose Version oder entscheidest dich für einen Kauf.

Es wird ein Einmalkauf sein, d.h. du bezahlst einmalig, dann gehören die Pro-Funktionen dir, auf allen Geräten, die in deinem Apple-Account angemeldet sind und einschließlich der künftigen Updates für die App.

Die kostenlose Version umfasst alle Funktionen zum Ansehen deiner Fotos und die Anzeige von Datum & Uhrzeit, Kamera, Objektiv, Belichtung, Bild, Datei, Video, Apple und Apple-Funktionen. Die Pro-Version bietet zusätzlich die Anzeige folgender Daten: Ort einschließlich Kartenlink und Kartenansicht, Beschreibung, IPTC, IPTC-Erweiterung, DNG, XMP, Finder sowie die „Maker notes“ von Canon und Nikon.

Wie es weitergeht

Ich wollte eine App haben, die mir meine Fotos in einer Vollbildansicht zeigt und die dazugehörigen Metadaten mit einem Fingertipp oder Klick ein- und ausblenden kann (ohne das ganze Foto zu verdecken).

Der Wunsch steht kurz vor der Verwirklichung. Abhängig von der Dauer von Apples Review und eventuellen Nachbesserungen, die sich dabei ergeben, wird PhotoView im App Store für iPhone und iPad sowie im Mac App Store in den nächsten Tagen oder Wochen verfügbar sein.

Die öffentliche Beta läuft weiter. Wenn du dir die App schon vor der Veröffentlichung ansehen möchtest, kommst du hier hinein:

Der öffentlichen Beta über TestFlight beitreten

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